Das Programm

Das Konzept des Umweltleuchtturmes entstand im Jahre 1996, als die südnorwegische Stadt Kristiansand als eine von sechs Gemeinden eingeladen wurde, am Agenda 21 - Pilotprojekt "Nachhaltige Städte" teilzunehmen. Die Stadt lud neun Betriebe aus verschiedenen Branchen (Hotels, Malerfirmen, Eisfabrik, holzverarbeitende Industrie) ein, sich einem lokalen Umweltaudit zu unterziehen. Die Stadtverwaltung übernahm die Kosten der Umweltprüfung und Erstellung eines Dreijahresplanes zur Reduktion des Rohstoffverbrauches und Verminderung der Umwelteinflüsse der Betriebe. Darüberhinaus wurde besonders darauf Wert gelegt, das Programm in Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Firmen zu entwickeln und Rücksicht auf die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen zu nehmen.

Die Firmen ihrerseits verpflichteten sich, die Vorschläge umzusetzen und ihre Erfahrungen mit ihren Mitbewerbern zu teilen. Darauf basierend wurde ein erster Kriterienkatalog für die Prüfung weiterer Firmen dieser Branche erarbeitet. Diese konnten ebenfalls mit Förderungen rechnen, wobei 50% des Honorares der Konsulenten übernommen wurden. Nach Erfüllung der Kriterien wurden die ersten Zertifikate erteilt.

1. Ziele

Hauptziel des Umweltprogrammes ist es, norwegischen Klein- und Mittelbetrieben bei der Bewältigung der Herausforderungen im Umweltbereich zu helfen. Das Programm ist für alle Branchen im Bereich der Industrie, Transportgewerbe, Handel und für die öffentliche Verwaltung offen.

Betriebe erhalten das Zertifikat, wenn sie alle Kriterien des Umweltleuchtturmes für ihre Branche erfüllen.

2. Organisation und Finanzierung

Hauptsitz des norwegischen Umweltleuchtturm-Büros ist Kristiansand. Das Programm steht zur Zeit gerade am Ende einer 3-jährigen Testphase (Start Januar 2000), in der es jährlich mit 2 Mill. NOK (ca. 270.000 EUR) vom norwegischen Umweltministerium unterstützt wurde. Die Evaluierung am Ende der Testperiode ergab eine positive Bewertung des Programmes. Im Vorschlag zum Budgets der jetzigen norwegischen Regierung ist eine weitere Förderung des Umweltleuchtturmes vorgesehen (Stand Oktober 2002).

Hauptaugenmerk für die nächste Zukunft ist die systematische Weiterentwicklung industriespezifischer Zertifizierungskriterien. Dabei kann und soll insbesondere auf die Erfahrung der Gewerkschaften zurückgegriffen werden. Zertifizierte Betriebe sollen innerhalb der einzelnen Branchen besonders beworben werden.

Die Hauptaufgabe des nationalen Gremiums ist die generelle Leitung des Programmes, auf Wünsche der Industrie einzugehen und dem Umweltministerium Bericht zu erstatten. Zur Zeit sind folgende Personen Mitglieder des Gremiums.

Das Umweltleuchtturm-Büro ist hauptverantwortlich für überregionales Marketing und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Programmes. Das beinhaltet u.a. die Formulierung und Adaptierung der Zertifizierungskriterien in Zusammenarbeit mit Konsulenten, Firmen und Organisationen der Branchen. Ein weiteres Aufgabengebiet liegt auch in der Leitung der Kurse für Konsulenten und Vertreter der Gemeinden, welche für die Zertifizierung verantwortlich sind.

Aufgabe der Gemeinden ist die Anwerbung von Betriebe, Zuteilung von Konsulenten, Betreuung lokaler Medien und die Durchführung der Zertifizierungsprüfung. Die Gemeinden sind auch für die Austeilung der Zertifikate zuständig. Gemeindevertreter sollten auch beim ersten Treffen mit Nummer-1 Betrieben zugegen sein.

Aufgabe des Konsulenten ist es, den Betrieb durch das Programm zu führen, die regelmässigen Treffen mit der Umweltgruppe des Unternehmens zu leiten und abschliessend eine Umweltanalyse des Betriebes zu erstellen.

Kriterien der Zertifizierung

Zertifizierungskriterien werden in Zusammenarbeit mit ausgewählten Betrieben - sogenannten Nummer-1 Betrieben- ausgearbeitet. Dieser Vorschlag wird dann den Branchenorganisationen für weitere Kommentare zugeschickt. Abschliessend werden diese dem nationalen Büro und dem Gremium zur Genehmigung weitergeleitet.

3. Umweltanalyse

Die Umweltgruppe

Ein wichtiger Teil des Programmes für jeden Betrieb ist die Gründung einer Umweltgruppe, die aus Personen des Managements, der Produktion und Leuten mit persönlichem Engagement für Umweltschutz besteht. Diese Gruppe sollte aus nicht mehr als 5 Personen bestehen, die durch einen Konsulenten unterstützt wird, der auch als Leiter und Sekretär der Treffen fungiert.

Analyse

Am Anfang der Analyse definiert die Umweltgruppe, welche Probleme vorrangig zu behandeln sind. Typischerweise werden dabei diese Bereiche angesprochen:

Identifizieren von Problembereichen

Obwohl der Konsulent die Umweltanalyse leitet und zusammen mit der Umweltgruppe einen Aktionsplan erarbeitet, so ist es doch in erster Linie ein Projekt der Firma. Der Konsulent stellt die Anforderungen, beispielsweise eine Übersicht über die eingesetzten Chemikalien oder den Strom- oder Treibstoffverbrauch. Bei jedem Treffen wird dabei ein neues Thema behandelt, und alle Beteiligten versuchen gemeinsam, die angesprochenen Probleme zu lösen (Beispiel: Lagerung von Spezialabfall).

Beteiligung der Angestellten

Interninformation aller Angestellten des Betriebes ist eine Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Abschluß des Programmes, das gilt auch für die Zeit nach der Zertifizierung. Alle Beteiligten müssen motiviert sein, an diesem Prozeß teilzunehmen und mit ihrer Erfahrung und eigenen Ideen zu partizipieren.

Aktionsplan

Eine Aufgabe der Arbeitsgruppe ist die Ausarbeitung eines Aktionsplanes, um die Kriterien der Zertifizierung zu erfüllen. Dieser umfasst u.a. auch Maßnahmen, die über eine Dreijahresperiode durchzuführen sind. Jeder Firma steht es offen, gewisse Bereiche zu favorisieren. Die Erfahrung zeigt, daß die meisten vorgeschlagenen Maßnahmen sich in kürzester Zeit amortisieren. Maßnahmen, die zu schnellen Resultaten führen, sind bevorzugt umzusetzen.

Die Ausarbeitung der Umweltanalyse dauert in etwa ein halbes Jahr für Nummer-1 Betriebe, etwa drei bis sechs Monate für andere - vorausgesetzt, daß der Konsulent mit der Materie vertraut ist.

Umweltzertifikat und Minizertifikat

Nach erfolgreichem Abschluß der Umweltprüfung durch Vertreter der Gemeinde erhält die Firma ein gerahmtes Zertifikat des Umweltleuchtturmes. Für Marketingzwecke steht auch eine verkleinerte Ausgabe im A4-Format zu Verfügung. Diese sind geographisch neutral gehalten, um allen Gemeinden ihre Benutzung zu ermöglichen.

Nach der Umweltprüfung

Ein wesentlicher Teil des Programmes besteht darin, die positive Einstellung zu Umweltschutz in der Firma nachhaltig zu verankern. Folgende Maßnahmen sollen dabei helfen, ein umweltfreundliches Profil nicht aus den Augen zu verlieren.

Jährlicher Umweltbericht mit Aktionsplan

Jede Firma hat zu Beginn des Jahres einen Umweltbericht des vergangenen Jahres zu erstellen, der auch einen Aktionsplan für das laufende Jahr beinhaltet. Dieser Umweltbericht (nicht zu verwechseln mit der Umweltanalyse, die der Konsulent erstellt) beinhaltet eine Dokumentation über umweltrelevante Kerndaten des Betriebes und Informationen über den Status in den Bereichen Gesundheit, Umwelt und Sicherheit. Eine Vorlage für den Umweltbericht kann von unseren Internetseiten heruntergeladen werden.

Umweltverantwortlicher

Jede Firma hat einen Umweltverantwortlichen namentlich bekanntzugeben.

Rezertifizierung

Alle Betriebe sind nach 3 Jahren erneut zu zertifizieren. Dabei entfällt allerdings das Hinzuziehen eines Konsulenten.

4. Strategien für Gemeinden

Organisation

Gemeinden sollten in einem sehr frühen Stadium dafür sorgen, administrative Organe für das Umweltleuchtturm-Programm bereitzustellen, wobei eine Kooperation mit Nachbargemeinden möglich ist. Diese Administration ist dafür verantwortlich, das Programm auf die Beine zu stellen und daürhaft zu leiten. Gute politische Kontakte sind von Vorteil, um die nötige finanzielle und ideologische Unterstützung zu garantieren.

Anwerbung von Firmen

Es gibt unterschiedliche Wege, um Firmen zu einer Mitarbeit beim Umweltleuchtturm zu bewegen. In Stavanger beispielsweise übernimmt eine Stiftung lokaler Firmen ("Grønn By"- Grüne Stadt) die Aufgabe, neue Firmen anzuwerben. In Bergen wurden die meisten Firmen von Konsulenten angeworben, einerseit verständlicherweise aus Eigeninteresse, andererseits aber auch, da Konsulenten um die besten Kontakte zu Firmen in den Branchen verfügen. In Kristiansand werden Firmen vom Leiter der Wirtschaftsabteilung eingeladen, an Informationstreffen über den Umweltleuchtturm teilzunehmen. Firmen, die am Programm teilnehmen wollen, werden mit Konsulenten zusammengeführt, um das Projekt zu starten. Nach erfolgreichem Abschluß sorgen die Nummer-1 Betriebe dann dafür, daß neue Betriebe beim Programm mitmachen.

Nummer-1 Betriebe

Wir empfehlen, daß neu etablierte Umweltleuchtturm-Gemeinden mit nur einem Betrieb in jeder Branche zu beginnen. Dabei erhält einerseits der örtliche Konsulent wertvolle Erfahrung innerhalb der Branche, andererseits hat man nach Abschluß mit der Firma einen weiteren Botschafter in der Branche, um neue Firmen zu engagieren. Wichtig dabei ist natürlich, einen ambitionierten Nummer-1 Betrieb zu finden, da diesem eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung des Programmes zukommt. Ein innovativer Betrieb ist sicherlich besser geeignet, Umweltprobleme kreativ zu lösen, als ein konservativer. Ein Leiter, der aktiv am Wirtschaftsleben teilnimmt (etwa als Vertreter in einer Wirtschaftskammer) ist auch eher bereit, seine Firma markant zu positionieren.

Nummer-2 Betriebe

Wie die Erfahrung aus Kristiansand zeigt, ist die Vorgangsweise mit der Wahl eines Nummer-1 Betriebes in den meisten Fällen erfolgreich. Nummer-2 und -3 Betriebe profitieren in der Regel von bereits eingearbeiteten Konsulenten und einem klar definierten Kriterienkatalog. In keiner Weise bedeutet das allerdings, daß die Umweltanalyse für diese Betriebe leichter fällt. Jede Umweltgruppe startet von Null und muß ihre Kreativität, Problemlösungsfähigkeit und Motivationsfähigkeit beweisen.

Die Rolle und Aufgaben des Konsulenten und der Umweltgruppe müssen von Anfang an klar definiert sein. In der Regel sind zumindest 3 Treffen der Partner notwendig, um das Programm qualitativ zufriedenstellend zu erfüllen. Gut Ding braucht Weile.

Unterstützung durch die Gemeinde

Die Höhe der finanziellen Unterstützung der Umweltanalyse durch die Gemeinden ist unterschiedlich. Wünschenswert ist aber auf jeden Fall eine Unterstützung der Nummer-1 Betriebe. Pionieren sollte man ausserdem etwas mehr Zeit mit dem Konsulenten gönnen, denn sie sollen ja in weiterer Folge auch andere Betriebe zum Umweltschutz motivieren.

Kristiansand etwa übernimmt die Kosten für die Umweltanalyse für alle Nummer-1 Betriebe innerhalb einer Branche. Land und Gemeinde übernehmen ausserdem 50% der Kosten für alle anderen Betriebe. Wie die Erfahrung zeigt, ist die finanzielle Unterstützung ein gutes Argument, um Betrieben die Teilnahme am Programm schmackhaft zu machen.

Nach der Zertifizierung

Wir empfehlen, daß sich Umweltleuchtturm-Betriebe ein- bis zweimal pro Jahr zu einem Informationsaustausch treffen. Diese Treffen können in Zusammenhang mit anderen Treffen, wie zum Beispiel Wirtschaftsforen oder Gewerkschaftstreffen veranstaltet werden. Gemeinden oder einzelne Firmen sollten dabei die Koordination übernehmen.

Nur ein Anfang...

Der Umweltleuchtturm ist dazu gedacht, um Betrieben den Start in den Umweltschutz zu vereinfachen. Beim Beitritt zu diesem Programm verpflichten sich Betriebe ausserdem, diese Arbeit auch nach Erlangen des Zertifikates fortzuführen.

Medien

Ein Schlüssel zum Erfolg des Programmes ist die Information der Bevölkerung und der Wirtschaft durch die unterschiedlichen Medien, seien es Zeitungen, Internet, Radio oder Fernsehen. Als Chance zur Profilierung bieten sich dabei immer die Überreichung des Zertifikates an.